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30
03
2021

Warum Stiftungen nur unterdurchschnittliche Renditen erzielen?

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Stiftungen haben einen speziellen Anlagestil, der sich in früheren Marktphasen über viele Jahre bewährt hat. Ein wichtiger Bestandteil dessen waren und sind alternative Investments. Deren Rolle hat sich in den letzten 20 Jahren jedoch erheblich gewandelt.

Große Stiftungen und Pensionsfonds lassen sich bildlich gesprochen mit Tankern auf hoher See vergleichen: Sie haben ein klares Ziel, befinden sich auf direktem, vorher berechnetem Kurs und sind meist schwer beladen – also fast vollständig investiert. Das bedeutet, dass bei Turbulenzen der eingeschlagene Kurs nicht schnell geändert werden kann. Stattdessen vertrauen sie auf ihren Investmentprozess, ihre Due Diligence und den Diversifikationseffekt. Damit lassen sich selbst schwere Stürme an den Märkten durchzustehen, wie frühere Erfahrungen zeigten, bevor es wieder in ruhigen Gewässern vorangeht.

Allerdings sind die Naturgewalten an den Märkten ganz andere als auf hoher See – und weitaus schwerer zu kalkulieren. Wie herausfordernd das Umfeld tatsächlich ist, verdeutlichte ein erst kürzlich von Richard M. Ennis veröffentlichtes Paper mit dem Titel „Endowment Performance“, das eine Underperformance von Stiftungen dokumentiert. [1]

Der Anlagestil von Stiftungen

Der Studie zufolge gibt es wiederkehrende Elemente, die verschiedenen Stiftungen in ihrem Anlagestil gemeinsam sind. Neben einer allgemeinen Tendenz zum Value Investing sind das vor allem folgende drei Punkte: [1]

Anlagestil verschiedener Stiftungen:

Aktives Management: Die (angenommene) Fähigkeit der Anlagemanager von Stiftungen, besondere Expertise bei Zielfonds erkennen und ausnutzen zu können. Große Stiftungen greifen dem Paper zufolge meist auf eine hohe Anzahl verschiedener Zielinvestments zurück, bei denen passive Produkte im Durchschnitt nur rund 6 Prozent ausmachen. Die Bereitschaft, für die wahrgenommenen Skills externer Manager zu zahlen, zeigt sich vor allem an erheblichen Anteilen kostenintensiver Investments etwa in Hedgefonds.
Fokus auf Aktien: Die Einschätzung, dass vor allem Aktien die Allokation bestimmen sollten, ist unter Anlagemanagern von Stiftungen weit verbreitet. Allerdings variiert der Aktienanteil in Abhängigkeit vom Umfang des Gesamtportfolios: Große Stiftungen weisen im Mittel ein effektives Aktien-Exposure von 72 Prozent auf, kleine Stiftungen von 63 Prozent.
Private Equity / Debt / Real Estate: Private Märkte sind ein weiterer Schwerpunkt vieler Anlagemanager von Stiftungen und derer Berater. Häufig wird angenommen, dass diese Märkte eine gute Diversifikation bieten und erfahrene Manager dort besser profitieren können. Neben Hedgefonds stellt dies die Alternatives-Komponente im Portfolio dar.

Dieser grob umrissene Anlagestil von Stiftungen erzielte in den 1990er Jahren und zu Beginn dieses Jahrhunderts sehr gute Ergebnisse. Die Wahrnehmung der Marktteilnehmer dafür war groß, sodass dieser Stil bei Anlegern weltweit auf anhaltendes Interesse gestoßen ist – und zum Teil auch heute noch stößt.

Bild 1) Überrenditen des Large Endowment Composite
Dargestellt sind die Überrenditen einer Auswahl großer Universitätsstiftungen. Diese erlebten mit ihrem Anlagestil bis zum Jahr 2008 eine Blütezeit. Anschließend folgte jedoch ein deutlich erkennbarer Paradigmenwechsel.
Quelle: Ennis, R. M. (2020), Endowment Performance, S. 16

Langfristige Renditen

Kommen wir zurück zur eingangs erwähnten Underperformance. Richard Ennis betrachtet in seiner Studie 43 große Stiftungen im Zeitraum von Juni 2008 bis Juni 2019, die mehr als eine Milliarde US-Dollar verwalten. Diese untersucht er im Vergleich zu individuell festgelegten Benchmarks. Als Ergebnis seiner Regressionen erhält er Alphas, die zwischen -3,56 und + 2,07 Prozent liegen. Während keines der positiven Alphas statistisch signifikant positiv ist, erweist sich jedoch etwa jedes vierte negative Alpha als signifikant. Daraus schlussfolgert der Autor, dass große Stiftungen ihre Benchmarks im Betrachtungszeitraum deutlich underperformten. [1]

Dieses Ergebnis wird auch in der langfristigen Studie von Dennis Hammond bestätigt, die den gesamten verfügbaren Datenzeitraum über die Performance von Universitätsstiftungen von 58 Jahren analysiert. [2] Demnach erzielten die Stiftungen im Durchschnitt 8,5 Prozent pro Jahr und rentierten damit schlechter als die traditionelle 60/40-Benchmark aus Aktien und Anleihen, die 9,3 Prozent pro Jahr erzielte. Dabei schnitten die großen Stiftungen insgesamt noch am besten ab. Das könnte zum Beispiel daran liegen, dass sie – anders als kleine Stiftungen – über einen besseren oder gar exklusiven Zugang zu den wirklich profitablen Zielinvestments verfügen und/oder niedrigere Gebühren durchsetzen können.

Andere Sichtweisen

Allerdings gibt es auch andere Stimmen. Das liegt vor allem daran, dass die Einschätzung über Under- und Outperformance sowohl von der Benchmark als auch vom Zeithorizont abhängen kann.

Hossein Kazemi von der University of Massachusetts argumentiert, dass nicht immer eine angemessene Benchmark verwendet wird. Statt einer US-Benchmark, die aufgrund der hohen Renditen in den letzten 20 Jahren ohnehin schwer zu schlagen war, muss ein Vergleichsmaßstab verwendet werden, der auch internationale Aktien beinhaltet – schließlich sind diese meist ein wesentlicher Bestandteil der Portfolios. Zudem wird oft der Cash-Bestand nicht berücksichtigt. Obwohl dieser in den meisten Fällen gering ist, hat er doch einen systematischen Einfluss. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte hätten die durchschnittlichen Renditen der Stiftungen seit dem Jahr 2000 – also inklusive der acht guten Jahre bis 2008 – Kazemi zufolge über der Benchmark gelegen. Zudem weist er darauf hin, dass klassische alternative Investments, die bei Stiftungen verstärkt zum Einsatz kommen, in den letzten 20 Jahren insgesamt gut performt haben. [3]

Alternative Investments

Als Erklärung für die beobachtete Underperformance werden in der Studie von Richard Ennis aber genau diese alternativen Investments herangezogen – also Hedgefonds sowie Investments in die bereits genannten Private Markets. Dies steht zunächst im Widerspruch zum von Vertretern alternativer Investments häufig beschriebenen Vorteil, dass diese bessere risikoadjustierte Renditen sowie Diversifikationspotenzial bieten würden.

Doch das Argument hat Gewicht. In einer anderen Studie des Autors wird untersucht, welche Anlageklassen tatsächlich zur Diversifikation beitragen. [4] Dazu werden diese schrittweise als erklärende Variablen zu einem Regressionsmodell hinzugefügt und parallel die entsprechenden statistischen Größen – konkret das Bestimmtheitsmaß sowie der Standardfehler der Regression – berechnet. Damit wird überprüft, wie gut die Renditen im Modell erklärt werden.

Die Ergebnisse verdeutlichen den Paradigmenwechsel. Im Zeitraum von Juli 1999 bis Juni 2008 hatten alternative Investments einen erheblichen Diversifikationseffekt: Durch das Hinzufügen zu einem Portfolio aus Aktien und Anleihen stieg zum Beispiel das Bestimmtheitsmaß von 0,66 auf 0,97. Doch seit Juli 2008 war der Diversifikationseffekt beinahe zu vernachlässigen. Hier lag das Bestimmtheitsmaß schon allein unter Einbezug globaler Aktien und Anleihen bei 0,99. Das bedeutet, dass sich die Renditen der Stiftungen allein durch diese beiden Anlageklassen fast vollständig erklären ließen. Das gleiche Muster findet sich dem Autor zufolge in diesem Zeitraum auch bei den Renditen öffentlicher Pensionsfonds. [4]

Bild 2) Hohe Korrelationen (Juli 2008 bis Juni 2019)
Quelle: Ennis, R. M. (2020), Endowment Performance, S. 12

Das sind erstaunliche Ergebnisse. Obwohl die Portfolios vieler Stiftungen einen nennenswerten Anteil alternativer Investments haben, lassen sich die Renditen mit nur zwei Variablen, nämlich globalen Aktien und Anleihen, erklären. Konkret lässt sich die vom Autor untersuchte Auswahl großer Universitätsstiftungen im Untersuchungszeitraum am besten durch eine Benchmark aus drei Indizes mit folgenden Gewichtungen beschreiben: 53 Prozent Russell 3000, 17 Prozent MSCI ACWI ex US und 30 Prozent Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond. [4]

Obwohl die Portfolios vieler Stiftungen einen nennenswerten Anteil alternativer Investments haben, lassen sich die Renditen mit nur zwei Variablen, nämlich globalen Aktien und Anleihen, erklären.

Warum sind die Korrelationen so hoch?

Die entscheidende Frage ist an dieser Stelle: Weshalb sind die Korrelationen so stark gestiegen, dass beinahe jegliches Diversifikationspotenzial zunichte gemacht wird?

Auch darauf hat Richard Ennis eine plausible Antwort. Demnach haben sich die alternativen Anlageklassen seit den 1990er Jahren dramatisch verändert: Die extrem hohen Mittelzuflüsse führten zu einer Vervielfachung der ursprünglich kleinen Anlagenischen in Hedgefonds und privaten Märkten. Beispielweise machen heute Immobilien einen Anteil von rund 40 Prozent der Vermögenswerte von börsennotierten Unternehmen aus. Das bedeutet, dass deren Cashflows und Bewertungen in den Aktienkursen eingepreist sind. Oder anders ausgedrückt: Wer einen Aktien-ETF kauft, bekommt gleichzeitig einen großen Brocken implizites Immobilieninvestment. Das bedeutet aber auch, dass die Renditen von Private Real Estate im Zeitablauf immer stärker mit denen des Aktienmarktes korreliert haben. Das gleiche gilt für Private Equity und Private Debt, die auf ähnliche Weise einen zunehmenden Gleichlauf mit dem breiten Aktienmarkt aufwiesen. Und selbst bei Hedgefonds lassen sich – abseits spezieller Unterstrategien – zunehmend hohe Korrelationen mit klassischen, aktiv gemanagten Aktienfonds beobachten. [5]

Die Kosten

Neben dem fehlenden Diversifikationspotenzial haben die klassischen alternativen Investments aber vor allem eines: Ein Kostenproblem. In seinem Paper „Endowment Performance“ schätzt Richard Ennis, dass die Kosten marktnaher Portfolios – je nach Mix aus Aktien und Anleihen sowie aktiven und passiven Anlagen, Portfolioumschlag und Anlagevolumen – zwischen 0,5 und 0,7 Prozent pro Jahr liegen. Bei alternativen Investments liegen die Kosten weitaus höher und können durchaus 2 bis 4 Prozent betragen. Deshalb können die durchschnittlichen Kosten einer Stiftung letztlich 1 bis 2 Prozent betragen, was einen unnötig hohen Wert für ein diversifiziertes Portfolio darstellt. [1]

Statt wie früher Extradiversifikation und Extrarendite scheinen alternative Investments heute also – etwas überspitzt formuliert – nur noch Extrakosten zu liefern. So sieht es zumindest Richard Ennis. In seinem Paper nennt er eine Underperformance der untersuchten Auswahl großer Universitätsstiftungen gegenüber der passiven Benchmark von 1,6 Prozent sowie von einem Prozent bei öffentlichen Pensionsfonds. [1]

Bild 3) Pensionsfonds: Gesamtrendite vs. Anteil Alternatives (Juli 2008 bis Juni 2018)
Es besteht ein statistisch signifikant negativer Zusammenhang, der gegen klassische Alternatives spricht.
Quelle: Ennis, R. M. (2020), Institutional Investment Strategy and Manager Choice: A Critique

Die Schlussfolgerung lautet deshalb, alternative Investments zu meiden, da sie hauptsächlich eine Belastung sind. Die frei werdenden Mittel können in sehr kostengünstige Indexprodukte investiert werden, was die durchschnittliche Kostenbelastung erheblich und dauerhaft reduziert. Hierfür genügen im einfachsten Fall drei Instrumente, die neben dem breiten US-Aktienmarkt die internationalen Developed und Emerging Markets sowie einen globalen Investment-Grade- Anleiheindex abbilden. Große institutionelle Anleger können diese Allokation für „Kosten“ im niedrigen einstelligen Basispunktbereich bekommen. In einer Welt, in der viele Wettbewerber zwischen 1 und 2 Prozent zahlen, ist das ein Wettbewerbsvorteil, der die Wahrscheinlichkeit maximiert, eine höhere Rendite als die Peer Group zu erzielen – oder mit anderen Worten, auf strategische Weise im Loser's Game weitgehend effizienter Märkte zu „gewinnen“.

Aufgrund mangelnder Diversifikationseffekte und hoher Kosten alternativer Investments ist es wahrscheinlich, dass die große Mehrheit der Stiftungen und Pensionsfonds, die am bisherigen Anlagestil festhalten, in den nächsten Jahren weiterhin underperformen.

Wann alternative Investments sinnvoll sind

Für einige spezialisierte Stiftungen mit tatsächlich vorhandenem Know-How zur erfolgreichen Selektion von Managern alternativer Investments kann jedoch auch das Gegenteil zutreffen: Die Allokation deutlich zu erhöhen und sich auf die besten Zielinvestments zu konzentrieren, falls daraus ein nachhaltiger Mehrwert in Form eines positiven Alpha erwartet werden kann – genau so, wie man es bei traditionellen, aktiven Aktienfonds ebenfalls machen würde, wenn dort ein solcher Vorteil besteht. Dieses komfortable Szenario dürfte allerdings auf die wenigsten Stiftungen und Pensionsfonds zutreffen.

Deutlich aussichtsreicher ist es, Liquid Alternatives wie etwa systematische Handelsmodelle zu nutzen, die speziell darauf ausgerichtet sind, neben einer moderat positiven Renditeerwartung eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen aufzuweisen. Hier ist neben niedrigen Kosten aber vor allem darauf achten, dass die Ansätze von unabhängiger Seite überprüft und verifiziert wurden. Ist das gegeben, sind solche Handelsmodelle die vielleicht interessantesten Ansätze im Bereich der alternativen Investments.

Herausforderungen für Pensionsfonds

Solche Alternativen sind nicht nur für Stiftungen, sondern auch für Pensionsfonds interessant. Vor allem letztere stehen vor großen Herausforderungen, was das Erzielen einer auskömmlichen Rendite in der Zukunft angeht. Dies wird im Paper „Alternative Investments: Is it a Solution to the Funding Shortage of US Public Pension Plans?“ anschaulich beschrieben. Angesichts von Nullzinsen, schwachem Wirtschaftswachstum, alternder Bevölkerung und einem verlangsamten Produktivitätswachstum ist es auf absehbare Zeit unwahrscheinlich, dass mit einem klassischen Aktien- und Anleiheportfolio die durchschnittlichen Renditen der letzten 30 Jahre erzielt werden können, die in vielen Pensionsfonds als Zielvorgabe angestrebt wird. [6]

Gerade öffentliche Pensionsfonds in den USA, die einen niedrigen Deckungsgrad aufweisen, müssen möglichst hohe Renditen erzielen. Gleichzeitig ist der Spielraum für Enttäuschungen ziemlich klein. Sollten die Renditeerwartungen nicht erfüllt werden können, drohen erhebliche Probleme, die sich letztlich nur auf zwei Wegen lösen lassen: Eine Verlangsamung der Zunahme an Pensionsverpflichtungen (etwa das Kürzen von Leistungen, was bereits erfolgte) oder eine Erhöhung der Einzahlungen (etwa durch die Regierung) – oder beides. [6]

Fazit

Die Underperformance von Stiftungen und Pensionsfonds lässt sich zu großen Teilen durch Kosten erklären. Diese resultieren hauptsächlich aus dem Anteil alternativer Investments, die zudem kaum noch nennenswerte Diversifikationsvorteile erbringen. Das zeigt sich daran, dass die von Stiftungen erzielten Renditen fast vollständig durch breite Aktien- und Anleiheindizes erklärt werden können, für die sehr kostengünstige Standardprodukte verfügbar sind. Aufgrund mangelnder Diversifikationseffekte und hoher Kosten alternativer Investments ist es wahrscheinlich, dass die große Mehrheit der Stiftungen und Pensionsfonds, die am bisherigen Anlagestil festhalten, in den nächsten Jahren weiterhin underperformen.

Quellen

[1] Ennis, R. M. (2020), Endowment Performance, www.Richardmennis.com (Zugriff am 09.09.2020)
[2] Hammond, D. (2020), A Better Approach to Systematic Outperformance? 58 Years of Endowment Performance, Journal of Investing, Vol. 29, Nr. 5, S. 6-30
[3] Segal, J. (2020), All Those Studies Showing Endowments Lost to 60/40? Cherry-Picked Data, Academic Says, www.institutionalinvestor.com, Zugriff am 09.09.2020
[4] Ennis, R. M. (2020), Institutional Investment Strategy and Manager Choice: A Critique, Journal of Portfolio Management – Manager Fund Selection 2020, S. 104-117
[5] Asness, C. (2018), The Hedgie in Winter, Cliff’s Perspective, AQR Capital
[6] Peng, J. / Wang, Q. (2019), Alternative Investments: Is it a Solution to the Funding Shortage of US Public Pension Plans?, Journal of Pension Economics and Finance, S. 1-20

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