Wenn der einzige Ausweg darin besteht, einen Aufpreis zu zahlen
Artikel von Michael Nicoletos, Gründer & Geschäftsführer von DeFi Advisors
Die Erzählung, an die alle glauben
Der Goldpreis ist auf 4.200 US‑Dollar je Unze gestiegen, und die Finanzmedien haben eine bequeme Erklärung gefunden: Die Welt verliert das Vertrauen in den US‑Dollar. Zentralbanken sollen massenhaft US‑Staatsanleihen abstoßen und in den uralten sicheren Hafen Gold flüchten. Diese Erzählung passt perfekt zu Schlagzeilen über De‑Dollarisierung, BRICS‑Währungen und den Niedergang der amerikanischen Finanzdominanz.
Es gibt nur ein Problem: Diese Geschichte verkennt grundlegend, was tatsächlich passiert.
Ja, wir erleben eine globale Entwertung von Währungen. Deine Kaufkraft erodiert, egal ob du Dollar, Euro oder Yuan hältst. Das zeigt sich im US‑Aktienmarkt und in anderen Anlageklassen wie Bitcoin. Die Frage ist nicht, ob Fiat‑Währungen an Kaufkraft verlieren (das tun sie – grob um 8–12 % pro Jahr), sondern was gerade dieser Goldrausch über die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verrät.
Die unbequeme Wahrheit lautet: Der Goldkauf‑Rausch in China ist kein Misstrauensvotum gegen Amerika. Er ist eine verzweifelte Absicherung gegen etwas weitaus Beunruhigenderes – den möglichen Kollaps des chinesischen Wirtschaftssystems.

Die Shanghai‑Prämie – ein falsch gedeuteter Hinweis
In jeder tieferen Analyse des Goldmarktes stößt man auf die sogenannte Shanghai‑Prämie: In Shanghai wird Gold deutlich teurer gehandelt als an der CME in Chicago. Viele Analysten sehen in dieser Preisdifferenz den eindeutigen Beweis, dass China sich auf eine Welt nach dem Dollar vorbereitet.
Doch lesen sie diese Spur wirklich richtig?
Zunächst zu den Basisfakten: Die USA halten 8.133 Tonnen Goldreserven, das größte offizielle Goldlager der Welt. China besitzt selbst nach großzügigen Schätzungen rund 5.000 Tonnen. Das sind nicht die Zahlen eines Landes, das eine Währungsrevolution anführt, sondern die eines Landes, dessen Bürger bereit sind, Aufschläge zu zahlen, um vor etwas zu fliehen.
Dieses „Etwas“ ist die wirtschaftliche Realität Chinas – und sie ist deutlich fragiler, als die meisten Beobachter wahrhaben wollen.
Der Ballon, der sich nicht aufpumpen lässt
Betrachte folgendes ökonomisches Rätsel: China hat eine gewaltige Menge Geld in seine Wirtschaft gepumpt, doch das Wachstum hat nicht im gleichen Maße angezogen. Es ist, als würde man einen Wasserballon füllen, der mehrere Löcher hat – egal wie viel Wasser man hineinschüttet, die Lecks begrenzen das tatsächliche Volumen.

Die Zahlen sind gewaltig – und widersprüchlich:
Chinas Wirtschaftsprofil:
- Offizielles BIP 2024: 18,8 Billionen US‑Dollar
- Geldmenge (M2*): 47 Billionen US‑Dollar
- Devisenreserven insgesamt: 3,2 Billionen US‑Dollar (davon nur 760 Mrd. liquide)
- Bankbilanzsumme: 64 Billionen US‑Dollar (astronomische 344 % des BIP)
US‑Wirtschaftsprofil:
- BIP 2024: 29 Billionen US‑Dollar
- Geldmenge (M2*): 21 Billionen US‑Dollar
- Devisenreserven: minimal (als Emittent der Leitwährung werden sie kaum benötigt)
- Bankbilanzsumme: 24 Billionen US‑Dollar (vergleichsweise moderate 82 % des BIP)
*M2 umfasst die Geldmenge M1 (Bargeld, Reiseschecks, Sichteinlagen) plus Sparguthaben, kleinere Termineinlagen und Geldmarktfonds im Privatkundensegment. Es ist ein breiterer Geldmengenbegriff als M1, da er Vermögenswerte einschließt, die zwar relativ liquide, aber nicht sofort wie Bargeld verfügbar sind.
Erstaunlich ist: China verfügt über mehr als die doppelte Geldmenge der USA, hat aber nur rund zwei Drittel der offiziellen Wirtschaftsleistung – und das selbst unter der Annahme, dass die BIP‑Zahlen Chinas überhaupt verlässlich sind.
Blick zurück auf 2009–2010: Beide Länder lagen damals bei etwa 10 Billionen US‑Dollar M2. Heute ist die US‑Geldmenge auf rund 22,2 Billionen gewachsen und stützt eine 29‑Billionen‑Wirtschaft. Chinas M2 ist dagegen auf 47 Billionen explodiert, während das offizielle BIP nur 18,8 Billionen beträgt.
Wo ist all dieses Geld hin? Und was ist mit dem Wachstum passiert, das zu einer derart massiven monetären Expansion eigentlich dazugehören müsste?
Die Antwort liegt darin, wie grundlegend anders das chinesische Finanzsystem im Vergleich zu marktbasierten Volkswirtschaften funktioniert – und warum chinesische Sparer bereit sind, für Gold Aufschläge zu zahlen.
Warum chinesische Bürger in Gold fliehen
Die Chinesen kaufen nicht aus Angst vor dem Dollar Gold. Sie tun es, weil sie zwei beunruhigende Wahrheiten über ihr eigenes System verstanden haben:
Erstens: Ihr Bankensystem ist strukturell unsolide.
Chinesische Banken sitzen auf Bergen fauler Kredite, die nie offiziell anerkannt wurden. Die gemeldete Quote notleidender Kredite liegt bei makellos wirkenden rund 1 % – eine Zahl, die angesichts Tempo und Umfang der Kreditexpansion kaum glaubwürdig ist.
Zweitens: Ihre Währung ist überbewertet und durch Kapitalverkehrskontrollen „eingezäunt“.
Anders ist schwer zu erklären, warum China strikte Beschränkungen aufrechterhält, nach denen Bürger lediglich 50.000 US‑Dollar pro Jahr außer Landes schaffen dürfen. Diese Regeln sollen nicht etwa nur Kapitalflucht verhindern – sie sind de facto ein Eingeständnis, dass es ohne sie unweigerlich zu massiven Abflüssen käme. Die Reserven von 3,2 Billionen US‑Dollar (größtenteils illiquide) würden eine wirklich freie Konvertierung und Abwanderung von Kapital kaum überstehen.
Stell dir vor, die Regierung deines Landes schreibt dir vor, dass du weniger als 50.000 US‑Dollar deines eigenen Geldes pro Jahr außer Landes bringen darfst. Was sagt das über ihr Vertrauen in Währung und Bankensystem?
Damit wird Gold zum effektiv einzigen Ventil. Es ist transportables Vermögen, das sich der direkten Kontrolle des Staates entzieht – und die Bürger sind rational genug zu erkennen, dass ein Aufpreis heute besser ist, als morgen alles zu verlieren.
Der buchhalterische Trick hinter Chinas BIP
Um das Ausmaß von Chinas Problem zu verstehen, muss man einen Punkt betrachten, den nur wenige diskutieren: den grundlegenden Unterschied in der BIP‑Berechnung gegenüber westlichen Marktwirtschaften. Auf diesen Punkt weist unter anderem Michael Pettis hin, Finanzprofessor an der Peking‑Universität und einer der scharfsinnigsten Beobachter der chinesischen Wirtschaft.
Ausgaben vs. Vermögenswerte
In der Rechnungslegung ist entscheidend, ob Ausgaben als Aufwand oder als Vermögenswert verbucht werden. Dieser scheinbar technische Unterschied hat enorme Auswirkungen auf die Messung der Wirtschaftsleistung.
Stell dir zwei identische Unternehmen vor, die jeweils 50.000 US‑Dollar in Forschung und Entwicklung investieren:
- Unternehmen A verbucht dies sofort als Aufwand und reduziert den ausgewiesenen Gewinn in diesem Jahr um 50.000 US‑Dollar.
- Unternehmen B aktiviert diesen Betrag als Vermögenswert, weist also zunächst höhere Gewinne aus und schreibt den Wert in den Folgejahren schrittweise über Amortisation ab.
Kurzfristig wirkt Unternehmen B deutlich profitabler und finanziell solider. Langfristig konvergieren beide Bilanzen, da der aktivierte Betrag abgeschrieben wird. Der Unterschied ist im Wesentlichen eine Frage der zeitlichen Verbuchung.
Unproduktive Investitionen und BIP‑Verzerrung
Brisant wird dieses Prinzip, wenn es auf unproduktive Investitionen in Volkswirtschaftsdimension übertragen wird.
In den USA und anderen Marktwirtschaften gilt: Wenn 100 Mio. US‑Dollar in ein Projekt fließen, das am Ende nur 80 Mio. realen Wert schafft, muss diese 20‑Mio.-Lücke relativ zeitnah sichtbar werden – etwa durch
- Kreditausfälle
- Unternehmensinsolvenzen
- Abschreibungen auf Forderungen
- Wertberichtigungen in Bankbilanzen
- Wertminderungen auf Vermögenswerte
All das mindert die ausgewiesene Wirtschaftsleistung. Der Markt zwingt zur Anerkennung der Realität.
China folgt anderen Regeln.
Dort werden faule Kredite selten formell anerkannt. Zahlungsausfälle sind extrem selten – Pettis spricht von gelegentlichen „Potemkin‑Defaults“, die vor allem der Optik dienen. Stattdessen werden problematische Kredite systematisch prolongiert, gestützt durch implizite Staatsgarantien und politischen Druck, Verluste nicht offen zu legen.
Chinesische Funktionäre und Banker haben diese Praxis mehrfach selbst angedeutet. Die Frage ist nicht, ob sie existiert, sondern wie groß sie ist.
Der Mechanismus der BIP‑Aufblähung
Wenn Fehlinvestitionen nicht als Verluste erfasst werden, bleiben sie in den volkswirtschaftlichen Konten als produktive Vermögenswerte bestehen. Entscheidend ist: Ausgaben, die in westlichen Volkswirtschaften als Aufwand (also BIP‑mindernd) erscheinen würden, tauchen in China als Vermögenswerte auf (BIP‑stützend oder ‑steigernd).
So entsteht eine systematische Überschätzung der tatsächlichen Wirtschaftsleistung.
Ein Beispiel: China baut für 10 Mrd. US‑Dollar eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen zwei Städten. In der ersten BIP‑Berechnung zählt diese Summe als Investition und erhöht das BIP. Doch was, wenn die Strecke niemals ausreichend Erlöse generiert, um die Kosten zu rechtfertigen, und dauerhaft Verluste einfährt?
In einer Marktwirtschaft führt das früher oder später zu Abschreibungen, Wertberichtigungen auf Kredite und Insolvenzen – und damit zu einer Reduktion des BIP. Die Verluste schlagen sich in Bankbilanzen, Unternehmenspleiten und überarbeiteten volkswirtschaftlichen Rechnungen nieder.
In China hingegen bleibt diese Bahnstrecke nahezu zum ursprünglichen Wert in den Büchern. Die Finanzierung wird immer wieder verlängert. Es gibt keinen offiziellen Zahlungsausfall, keine Abschreibung – der BIP‑Beitrag bleibt stehen.
Multipliziere dieses Muster mit Millionen von Projekten – Geisterstädten, redundanter Infrastruktur, Zombie‑Industriekapazitäten und unprofitablen Staatsunternehmen – und die Dimension der BIP‑Überzeichnung wird sichtbar.
Der Schuldenberg, den keiner sehen will
Die Folgen dieser Buchhaltung sind gravierend. Die Gesamtverschuldung Chinas ist bis Ende 2024 auf etwa 303 % des BIP gestiegen. Und selbst diese Zahl bildet die Realität nur unvollständig ab, da ein großer Teil der Verbindlichkeiten in sogenannten Local Government Financing Vehicles (LGFVs) steckt.
LGFVs sind Zweckgesellschaften, die von Lokalregierungen geschaffen wurden, um formale Kreditobergrenzen zu umgehen. De facto handelt es sich um Schattenhaushalte, deren Schulden real sind, aber in der offiziellen Statistik kaum auftauchen.
Schätzungen von Rhodium Group und IWF deuten auf Folgendes hin:
- LGFV‑Schulden: ca. 9,8 Billionen US‑Dollar (47 % des BIP)
- Rund 75 % dieser Schulden liegen bei Banken.
- Viele LGFVs sind stark überschuldet, illiquide und strukturell kaum überlebensfähig.
- IWF‑Schätzungen legen nahe, dass 39–46 % der LGFV‑Verbindlichkeiten umstrukturiert werden müssten, um eine tragfähige Schuldentragfähigkeit wiederherzustellen.
Bis zu 46 % von 9,8 Billionen – das sind rund 4,5 Billionen US‑Dollar, die unter den aktuellen Bedingungen nicht ordnungsgemäß bedient werden können, etwa ein Viertel des offiziellen BIP. Und darin ist der Immobiliensektor noch nicht enthalten, der je nach Schätzung 44–60 Billionen US‑Dollar schwer ist und dessen Preise seit fünf Jahren sinken. Immobilien stehen direkt und indirekt für etwa 25–30 % von Chinas BIP und rund 70 % des privaten Vermögens.
Diese Kredite stehen in den Bankbilanzen überwiegend noch zum Nennwert – ohne dass ihre tatsächliche Werthaltigkeit abgebildet würde.
Die unrealistisch niedrige NPL‑Quote
Offiziell melden chinesische Banken Quoten notleidender Kredite von unter 2 %.

Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen.
In einer Volkswirtschaft,
- die die schnellste Kreditexpansion der Geschichte erlebt hat,
- in der die Zinsen lange deutlich unter der nominalen BIP‑Wachstumsrate lagen,
- mit relativ kurzer Tradition großvolumiger kommerzieller Kreditvergabe,
- in der massiv in spekulative Immobilien und Infrastruktur investiert wurde,
sollen die Problemkredite so niedrig sein, dass selbst konservativste Schweizer Banken neidisch würden.
Das ist keine finanzielle Solidität. Das ist wirtschaftliche Fiktion.
Die Falle: Von Investitions‑ zu Konsumgetrieben
China versucht einen der schwierigsten wirtschaftlichen Übergänge überhaupt: weg von einem investitionsgetriebenen Modell hin zu einer konsumgetragenen Wirtschaft. Jahrzehntelang bestand Wachstum vor allem aus Infrastruktur, Fabriken, Immobilien – und noch mehr Infrastruktur. Dieses Modell stößt inzwischen auf abnehmende und teils negative Grenzerträge.
Der logische nächste Schritt wäre ein stärker konsumorientiertes Modell – ähnlich den entwickelten Volkswirtschaften des Westens. Doch darin liegt die Falle: Ein solcher Übergang macht die Fehlinvestitionen der Vergangenheit sichtbar.
Rückt der Konsum ins Zentrum und lässt man unproduktive Projekte scheitern, müssen die Verluste anerkannt werden. Banken müssten Kredite abschreiben, das BIP würde durch Wertberichtigungen schrumpfen, und die Wachstumsillusion wäre zerstört.
Setzt China hingegen weiter auf Investitionen, obwohl diese kaum noch echte Renditen bringen, wächst der Berg unproduktiver Vermögenswerte weiter – und damit die spätere, noch schmerzhaftere Bereinigung.
Deshalb wirkt die politische Führung wie blockiert, schwankend zwischen Konjunkturprogrammen und Rückzug. Jahrelange Entscheidungen, die Berichterstattung über Wachstum priorisiert haben, stehen nun gegen die wirtschaftliche Realität.
Weitere Informationen zu diesem Dilemma finden Sie in einem früheren Beitrag: Kann China sich Wachstum erkaufen?
Globaler Kontext: Trump, Zölle und Timing
Hinzu kommen äußere Belastungen. Zölle aus der Trump‑Ära treffen gezielt chinesische Exporte – jenen Sektor, der tatsächlich Devisen und reale Wertschöpfung generiert. Schwächelt der Export, werden die Spielräume für echtes Wachstum noch enger.
Bei nachlassender Konjunktur, geringerer Auslandsnachfrage und einem Berg nie anerkannten Schuldentragfähigkeitsproblems droht, dass viele Verluste niemals offiziell erfasst werden. Stattdessen bleiben sie als „Phantom‑Vermögenswerte“ in den Bilanzen – formal werthaltig, faktisch weit weniger.
Damit ist die tatsächliche Größe der chinesischen Volkswirtschaft deutlich kleiner, als es die offiziellen Zahlen nahelegen. Wie viel kleiner, lässt sich kaum seriös beziffern, weil das System selbst darauf angelegt ist, diese Realität zu verschleiern.
Was die Goldprämie wirklich bedeutet
Zurück zur Ausgangsfrage: der Shanghai‑Prämie auf Gold.
Chinesische Bürger zahlen Aufschläge auf den Weltmarktpreis – nicht, weil sie ausgefeilte geopolitische Strategen sind, die auf den Niedergang Amerikas wetten. Sie zahlen, weil sie in ihrem eigenen System gefangen sind.
Sie wissen:
- dass ihre Bankguthaben in einem fragilen System voller fauler Kredite stecken,
- dass ihre Währung überbewertet ist und nur durch Kapitalverkehrskontrollen stabil wirkt,
- dass offizielle BIP‑Zahlen systematisch zu hoch ausfallen,
- dass das bisherige Wachstumsmodell erschöpft ist,
- dass der Übergang zu einem neuen Modell Verluste sichtbar machen wird, die Vermögen vernichten.
Für sie ist Gold keine Wette auf einen neuen internationalen Währungsstandard. Es ist ein Rettungsboot.
Die Erzählung, die wir eigentlich brauchen
Die gängige Mediengeschichte lautet: Zentralbanken kaufen Gold, weil die Dominanz des US‑Dollars endet. Diese Story passt gut in eine Zeit geopolitischer Spannungen, neuer Allianzen und Zweifel an der amerikanischen Führungsrolle.
Die Daten zeichnen jedoch ein anderes Bild: Die Dominanz des Dollars ist eher gewachsen, weniger bei Wechselkursen, sondern bei dem, was wirklich zählt – Zahlungsabwicklung, Zugang zu Kredit, Infrastruktur des globalen Handels.
Die eigentliche Geschichte ist weniger spektakulär, aber weitaus beunruhigender: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat ihre Größe und Produktivität über Jahre, vielleicht Jahrzehnte, überschätzt. Sie hält ihre Bürger in einem System, das ihnen die freie Bewegung ihres Vermögens verwehrt. Sie trägt eine Schuldenlast, die sich womöglich nicht vollständig anerkennen lässt, ohne eine Krise auszulösen. Und in dem Moment, in dem der Übergang zu einem neuen Wirtschaftsmodell ansteht, werden die strukturellen Schwächen unübersehbar.
Chinesen, die Gold mit Aufschlag kaufen, sind keine Revolutionäre, die den Dollar stürzen wollen. Sie sind rationale Akteure, die auf eine Realität reagieren, die viele westliche Analysten lieber ausblenden: Das „Wirtschaftswunder“ China könnte deutlich kleiner gewesen sein, als die Statistik suggeriert – und die Zukunft deutlich begrenzter.
Der Goldrausch dreht sich weniger um den vermeintlichen Niedergang Amerikas als um die schleichende globale Geldentwertung – und in Chinas Fall um Menschen, die in einem System leben, das nicht hält, was es verspricht, und die verzweifelt versuchen, irgendeine Form von Wert außerhalb dieses Systems zu sichern.





