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25
05
2021

Die spekulative Prämie bei Futures.

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Die Studie „Speculative Pressure“ untersucht, inwieweit die Nettopositionen der Spekulanten in den COT-Daten die Preisbildung bei Futures bestimmen. Dabei zeigt sich, dass bei Aktien-, Rohstoff- und Währungs-Futures ein Zusammenhang zwischen den Nettopositionen und der Kursentwicklung besteht, der sich systematisch ausnutzen lässt.

Der Commitment of Traders (COT) Report wird in den USA jeden Freitag von der Commodity Futures Trading Commission veröffentlicht. Die Daten sind eine Aggregation der Positionen verschiedener Gruppen von Marktteilnehmern in den einzelnen Futures-Märkten und werden von Tradern traditionell als wichtige Information beachtet.

Die klassische Literatur zur Preisbildung bei Rohstoff-Futures basiert auf der Hypothese des Hedging-Drucks nach Cootner [1] und Hirshleifer [2]. Demnach gilt für die Nettopositionen von Commercials (Hedgern) und Non-Commercials (große Spekulanten) folgendes:

Wenn die Hedger short sind, sollten die Futures relativ zum erwarteten Rohstoffpreis bei Verfall niedrig liegen, was Long-Spekulation attraktiv macht (Backwardation)
Wenn die Hedger long sind, sollten die Futures relativ zum erwarteten Rohstoffpreis bei Verfall hoch liegen, was Short-Spekulation attraktiv macht (Contango)

Woher kommt die Prämie?

Zunächst stellt sich die Frage, woraus in einem liquiden, effizienten Futures-Markt überhaupt eine Prämie resultieren kann. Der Theorie zufolge wäre durch Einnahme der Gegenposition zu den Hedgern eine spekulative Prämie durch Übernahme des Preisrisikos zu rechtfertigen. Diese Prämie würde ökonomisch eine Art Versicherungsprämie darstellen.

In ihrer Untersuchung, ob die Prämie existiert, nutzen die Autoren der Studie „Speculative Pressure“ [3] die Netto-Long-Positionen der Non-Commercials als Signalgeber für den spekulativen Druck. Dabei untersuchen sie die Aussagekraft sowohl im Rahmen einer Zeitreihenbetrachtung (Time Series) als auch einer Querschnittsbetrachtung (Cross Sectional):

Time Series: Long (Short) in Futures mit Backwardation (Contango), bei denen die großen Spekulanten Netto-Long (Netto-Short) sind
Cross Sectional: Analyse, welchen Erklärungsgehalt die spekulative Prämie für die Preisbildung aufweist

Beide Untersuchungen zeigen, dass der spekulative Druck eine entscheidende Komponente für die Preisbildung der betrachteten Futures-Märkte darstellt. Die Long-Short-Portfolios erzielen positive, statistisch signifikante Überrenditen, die auf dem Niveau von Momentum- und Carry-Prämien liegen. Die Ergebnisse stützen die Theorie, dass die Non-Commercials als Momentum- und/oder Carry-Trader agieren. Für Zins- bzw. Anleihe-Futures lässt sich der spekulative Druck dagegen nicht als Preisbildungsfaktor nachweisen.

Untersuchungen zeigen, dass der spekulative Druck eine entscheidende Komponente für die Preisbildung der betrachteten Futures-Märkte darstellt.

Mögliche Handelsstrategie

Auf Basis dieser Ergebnisse lässt sich eine spekulative Prämie erzielen, indem systematisch Futures gekauft (verkauft) werden, in denen Netto-Long-Positionen (Netto-Short-Positionen) der großen Spekulanten vorliegen. Die auf diese Weise erzielten Renditen besitzen den Forschern zufolge selbst für solche Portfolios einen Erklärungsgehalt, die beispielsweise um Momentum- oder Carry-Prämien bereinigt wurden.

Long Short Strategie auf Basis des spekulativen Drucks
Bild 1) Long-Short-Strategie auf Basis des spekulativen Drucks
Die Grafik zeigt die Wertentwicklung von Portfolios, die eine Long-Short-Strategie auf Basis des spekulativen Drucks in verschiedenen Anlageklassen umsetzen. Die dargestellte Entwicklung basiert auf Total Returns (erzielte Prämien zzgl. 1-Monats-T-Bill-Rendite).
Quelle: Fan, J. / Fernandez-Perez, A. / Fuertes, A. / Miffre, J. (2019), Speculative Pressure, S. 39

Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass es bei verschiedenen Studien zum Thema Hedging- bzw. Spekulationsprämie keinen abschließenden Konsens gibt. Je nach betrachteter Studie, angewandter Untersuchungsmethode und Zeitfenster können die Prämien positiv, negativ oder insignifikant nahe null ausfallen.

Fazit

Bei Aktien-, Rohstoff- und Währungs-Futures lässt sich systematisch eine Prämie erzielen, indem Positionen in Richtung der Spekulanten eingegangen werden.

Quellen

[1] Cootner, P. (1960), Returns to Speculators, Telser vs. Keynes, Journal of Political Economy, Vol. 68, Nr. 4, S. 396-404
[2] Hirshleifer, D. (1988), Residual Risk, Trading Costs, and Commodity Futures Risk Premia, Review of Financial Studies, Vol. 1, Nr. 2, S. 173-193
[3] Fan, J. / Fernandez-Perez, A. / Fuertes, A. / Miffre, J. (2019), Speculative Pressure, Griffith University & Auckland University & City University of London Cass Business School & Audencia Business School

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